S2 verlängern ab Dietzenbach: Petition der FDP Dietzenbach
Die S-Bahn-Linie S2 endet bis heute in Dietzenbach. Damit endet eine zentrale Schienenverbindung mitten im Kreis Offenbach. Für eine wachsende Region mit starken Pendlerströmen Richtung Offenbach, Frankfurt und Darmstadt ist das ein klarer Standortnachteil.
Was tun wir als FDP Dietzenbach konkret dagegen?
Die Verlängerung der S2 und eine spürbare Verbesserung der Pünktlichkeit im Rhein-Main-Gebiet werden nicht von allein kommen. Sie brauchen politischen Druck, Transparenz und eine klare Prioritätensetzung. Genau hier setzt die FDP Dietzenbach an.
1. Start einer Petition
Wir haben eine Petition zur Verlängerung der S2 initiiert. Ziel ist es,
- Transparenz über den Stand der Planungsvereinbarung, der Vorplanung und der Nutzen-Kosten-Untersuchung herzustellen,
- den Rhein-Main-Verkehrsverbund und die Deutsche Bahn zu einer klaren Berichterstattung zu bewegen,
- die betroffenen Kommunen und die Kommunalpolitik verbindlich einzubinden,
- und den Ausbau der S2 trotz vorhandener Vorstudie und beschlossener Infrastrukturmittel endlich voranzubringen.
Die Petition richtet sich bewusst nicht nur an einzelne Institutionen, sondern an alle Verantwortlichen auf Landes-, Verbund- und Infrastrukturebene. Sie ist offen für Unterstützung aus allen Parteien und aus der Bürgerschaft.
2. Politischen Druck aus Dietzenbach erhöhen
Die FDP Dietzenbach wird den politischen Druck auf unseren Magistrat deutlich erhöhen, sich dieses Themas mit klarer Priorität anzunehmen.
Das bedeutet konkret:
- regelmäßige Berichterstattung des Magistrats zum Stand der S2-Verlängerung,
- aktive Ansprache des RMV, des Landes Hessen und der Deutschen Bahn durch die Stadt Dietzenbach,
- Einbringung von Anträgen und Anfragen in der Stadtverordnetenversammlung,
- sowie eine enge Abstimmung mit den Nachbarkommunen, um gemeinsam mehr Gewicht gegenüber RMV und Land zu entfalten.
Unser Anspruch ist klar: Dietzenbach darf bei der regionalen Schieneninfrastruktur nicht am Rand stehen. Eine S-Bahn, die mitten im Kreis endet, ist kein akzeptabler Dauerzustand. Wir wollen, dass unsere Stadt ihre Stimme erhebt – sachlich, konsequent und gemeinsam mit allen, die eine bessere Anbindung und einen verlässlichen Nahverkehr wollen.
Was ist bislang passiert!
Die Vorstudie ist seit 2020 abgeschlossen – und eindeutig
Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat gemeinsam mit dem Kreis Offenbach, dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem Land Hessen bereits im Jahr 2020 eine umfassende Vorstudie zur Verlängerung der S2 vorgelegt. Das Ergebnis ist klar:
- Beste Variante: Verlängerung der S2 von Dietzenbach über Rödermark-Urberach bis Dieburg
- Kernmaßnahme: 3,1 Kilometer langer Lückenschluss zwischen Dietzenbach und Urberach
- Nutzen: bestes Nutzen-Kosten-Verhältnis aller geprüften Varianten
- Perspektive: zusätzliche tausende Fahrgäste täglich, bessere Vernetzung der Region
- Option: Weiterführung bis Darmstadt mit südlichem Ringschluss und zusätzlichem Fahrgastpotenzial
Die Partner haben sich nach Abschluss der Vorstudie darauf verständigt, die nächsten Schritte einzuleiten.
Geplante nächste Schritte – aber keine Transparenz
Laut Pressemitteilung des RMV vom Dezember 2020 sollten folgende Schritte erfolgen:
- Abschluss einer Planungsvereinbarung mit der Deutsche Bahn
- Durchführung einer Vorplanung
- Erstellung einer Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) für beide Varianten
- Vertiefte Prüfungen zu Streckenverlauf, Bautechnik, Umweltwirkungen und Förderfähigkeit
- Bei positiver Bewertung: Realisierung der S2-Verlängerung bis Anfang der 2030er-Jahre
Das Problem: Über den Stand dieser Schritte, über Ergebnisse der Vorplanung oder der Nutzen-Kosten-Untersuchung ist öffentlich wenig bis nichts bekannt. Kommunalpolitik und Öffentlichkeit wurden bislang nicht systematisch informiert oder eingebunden.
Sondervermögen Infrastruktur: Milliarden sind beschlossen
In 2025 hat der Bund ein umfangreiches Sondervermögen für Infrastruktur auf den Weg gebracht. Allein nach Südhessen fließen laut Berichterstattung 364 Millionen Euro Bundesmittel für Verkehrs- und Infrastrukturprojekte.
Diese Mittel sollen ausdrücklich dazu dienen,
- Schieneninfrastruktur zu modernisieren und auszubauen
- Engpässe im Netz zu beseitigen
- leistungsfähige, verlässliche Verbindungen zu schaffen
- Regionen besser miteinander zu vernetzen
Das Geld ist also grundsätzlich da. Auszugsweise wurde Folgendes beschlossen (Quelle: Google-Rechere):
Sondervermögen Infrastruktur in Hessen (Land)
- Volumen & Laufzeit: Das Land Hessen hat ein Sondervermögen zur Infrastruktur- und Klimaneutralität beschlossen, aus dem in den nächsten zwölf Jahren rund 7,4 Milliarden Euro fließen sollen.
- Kommunalanteil: Etwa 4,7 Milliarden Euro (63%) davon sind für hessische Kommunen vorgesehen.
- Verwendung: Neben der Sanierung von Schulen und Krankenhäusern (950 Mio. Euro) fließt das Geld in den Ausbau der lokalen Infrastruktur.
- Kritik: Die Opposition und der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) fordern eine effizientere Nutzung und kritisieren teilweise die Mittelverwendung in bereits finanzierten Projekten statt in neuen Impulsen.
Sondervermögen Infrastruktur (Bund/DB)
- Bundes-Sondervermögen: Der Bund hat ein 500-Milliarden-Euro-Paket für Infrastruktur und Klimaneutralität auf den Weg gebracht.
- Deutsche Bahn: Die Deutsche Bahn (DB) soll bis 2030 rund 110 Milliarden Euro aus Sondervermögen und regulären Haushalten erhalten, um Schienenwege zu sanieren und auszubauen.
- Regionale Wirkung: Hessen profitiert von diesen Mitteln, beispielsweise durch 165 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen im Landkreis Offenbach.
S-Bahn-Projekte im Rhein-Main-Gebiet
- Nordmainische S-Bahn: Hessen investiert 550 Millionen Euro in dieses Projekt. Der Spatenstich ist erfolgt, um die Verbindung Frankfurt-Hanau auszubauen.
- S6-Ausbau: Die Finanzierung des Ausbaus der S6 (Frankfurt-Friedberg) wird durch den Bund gestärkt, was zusätzliche Kapazitäten im Nah- und Fernverkehr schafft.
- FRMplus: Insgesamt sind über 12 Milliarden Euro (Bund, Land, RMV, DB) für die Infrastruktur im Rhein-Main-Gebiet bis 2030 geplant, um das S-Bahn-Netz auszubauen.
Die zentrale Frage für Dietzenbach: Was fließt in den Ausbau der S2?
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine einfache, aber entscheidende Frage:
Welcher Anteil der beschlossenen Infrastrukturmittel fließt konkret in den Ausbau der S2?
- Ist die S2-Verlängerung überhaupt Teil der Förderkulisse des Sondervermögens?
- Wurden Mittel für Vorplanung, Nutzen-Kosten-Untersuchung oder spätere Bauabschnitte angemeldet?
- Falls nein: Warum nicht, obwohl eine abgeschlossene Vorstudie mit positivem Ergebnis vorliegt?
Gerade Projekte, die fachlich vorbereitet sind und ein gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen, müssten jetzt priorisiert werden. Andernfalls droht, dass Milliarden verteilt werden, während umsetzungsreife Projekte weiter auf der Strecke bleiben.
Warum die S2 jetzt Priorität haben muss!
Eine Verlängerung der S2 bedeutet:
- bessere Anbindung des Kreises Offenbach und des Landkreises Darmstadt-Dieburg
- Entlastung von Straßen und Knotenpunkten
- Stärkung von Wohn- und Wirtschaftsstandorten
- mehr Verlässlichkeit im regionalen Schienenverkehr
- perspektivisch Entlastung des Frankfurter City-Tunnels durch neue Linienkonzepte
Die Voraussetzungen sind vorhanden. Die Finanzierungsinstrumente sind beschlossen. Was fehlt, ist Transparenz, Priorisierung und politische Klarheit.
Unser Anspruch
Nach Abschluss der Vorstudie und angesichts des beschlossenen Sondervermögens reicht es nicht mehr, auf „laufende Prüfungen“ zu verweisen.
Wir erwarten:
- klare Aussagen des RMV, welche Mittel für die S2 vorgesehen sind
- Transparenz über den Stand der Planungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn
- Einbindung der betroffenen Kommunen und der Kommunalpolitik
- eine ehrliche Prioritätssetzung bei der Verwendung der Infrastrukturmittel
Denn Infrastruktur entscheidet über Entwicklung, Mobilität und Lebensqualität. Und eine S-Bahn, die mitten im Kreis endet, ist kein Zukunftsmodell.
